ES KAM DER TAG, nach dem wir uns so lange gesehnt hatten. Es ging an einem Samstag nach Köln und am nächsten Tag weiter nach Niederzier. Wir waren 2 Stunden zu früh, die Aufregung stieg ins Unermessliche. Auf einmal bog ein großer weißer Wagen in die Straße, wo wir warteten, auf dem stand „Live animals transport“. Der große Moment war gekommen.

 

Als Amado uns liebevoll übergeben wurde, schaute dieser Kleine mich an, als wollte er sagen: ENDLICH IN SICHERHEIT!

 

Wir gingen eine Runde mit ihm, damit er sich lösen konnte, was er auch sofort gemacht hat. Wir stiegen in das Auto und fuhren Richtung Heimat.

Die ganze Autofahrt über lag er mit seinem Kopf auf meinem Schoß und hat

geschlafen. Für mich, die mit ihm auf der Rückbank saß, war es nicht wirklich angenehm, er hat gestunken, als wenn er grad ein Güllebad genommen hat. Im Hinterkopf hatte ich aber schon den Frisörtermin den wir im Vorfeld schon gemacht hatten, Waschen, legen, fönen. Neues Leben, neue Frisur :)

 

Zu Hause angekommen, stand unsere große Tochter mit unserem Rüden vor der Tür, um auf uns zu warten, vor diesem Moment hatten wir ein bisschen Angst. Wir stiegen mit Amado aus und die beiden Hunde schnüffelten sich ab. Das war's, mehr war nicht, sie sind zusammen in das Haus gegangen, als wenn sie sich schon Ewigkeiten kannten.

 

Drinnen im Haus ist Amado geduckt gegangen und hat einen riesen See auf dem Teppich hinterlassen (wozu gibt es Zewa ;)) Er klebte an meiner Seite und hatte Angst vor eigentlich allem.

 

Flur doof, Küche doof, Türschwelle zum Garten doof, Autos doof, Hunde doof, Wind doof, Mülltonne doof, Besen doof, Schuhlöffel doof usw usw...

 

Er war zu allem lieb, er hatte einfach nur furchtbare Angst, wer kann es ihn verübeln, wir wissen ja nicht, was ihm alles angetan wurde und wahrscheinlich hatte er nie was anderes außer seine Kette und den

Betonboden gesehen.

 

Also hieß es für ALLE Training!!!

 

Die Kinder mussten lernen Amado nicht zu bemitleiden, sondern ihm zu zeigen, dass alles völlig normal ist, was im Haushalt passiert. Wir gingen zur Hundeschule in die Spielgruppe für ganz kleine Hunde (Amado sah da im Vergleich zu den anderen wie eine Deutsche Dogge aus) und in der zweiten Stunde ist er schon mal nicht mehr vor den ganz Kleinen

weg gelaufen.

 

Dann folgte die Grunderziehung, die wir knallhart durchgezogen haben, auch wenn der böse Wind uns manchmal am Erfolg hat zweifeln lassen, dass wir ihn irgendwann mal frei laufen lassen können.

 

Stubenrein haben wir ihn ganz schnell bekommen, wir haben ihn die erste Zeit nicht aus den Augen gelassen und sobald wir dachten, dass er jetzt mal muss, sind wir schnell mit ihm raus. Ich glaube, in den ersten Tagen waren wir am Tag bestimmt 20mal draußen. 4-5 mal hat er vielleicht

drinnen sein Geschäft gemacht, danach war das Thema erledigt.

 

Nach ca. 4 Wochen taute Amado langsam auf:

 

Er hat sich getraut auf den Flur zu gehen, andere Hunde wurden akzeptiert, ohne dass er die Flucht ergriffen hat. Auch hat er verstanden, dass wir uns mit dem Schuhlöffel nur die Schuhe anziehen und ihm damit nichts Schlimmes antun werden.

 

Noch mal 4 Wochen weiter:

 

Amado läuft fröhlich durch das gesamte Haus, spielt liebend gern mit allen Hunden, und versucht uns den Schuhlöffel zu klauen :)

 

Heute nach vier Monaten, die Amado nun bei uns ist, merkt man ihm nicht mehr an, wie er mal gelebt hat:

 

Er ist wirklich super lieb zu Kindern.

Er versteht sich super mit anderen Hunden und will einfach nur spielen, selbst wenn er mal angebellt wird, bleibt er lieb und geht jedem Streit aus dem Weg.

Er weiß, was wir von ihm wollen und damit habe ich den Beweis, dass ich nicht extra einen Spanisch-Kurs machen muss :)

Der blöde Wind, vor dem er immer eine wahnsinnige Angst hatte, wird noch nicht für gut befunden, aber er wird akzeptiert.

Mittlerweile läuft er auf Wiesen und Seen ohne Leine und ist gut abrufbar, wenn er vor irgendwas Angst hat (z.B. seinem Pups! oder einem Knall) sucht er Zuflucht bei uns und rennt nicht ohne zu denken irgendwo

hin. ER HAT VERSTANDEN, DASS WIR IHM SICHERHEIT GEBEN KÖNNEN.

 

Was ich abschließend sagen möchte:

 

Ich schäme mich, dass ich vor Amado einen Bogen um Tierschutzhunde gemacht habe. Er ist so dankbar (was ich früher nie so wirklich

verstanden habe, wenn andere davon erzählt haben), es ist eine ganz besondere Bindung, die man nur verstehen kann, wenn man es erlebt.

 

AMADO

- Danke, dass es dich gibt

- Danke, dass du uns dein Vertrauen geschenkt hast

- Danke, dass du immer versuchst alles richtig zu machen

- Danke, dass du uns genau so liebst wie wir dich

 

Ich danke Anke, dass sie mich auf die Seite von Tierliebe Grenzenlos aufmerksam gemacht hat.

 

Ganz besonderen Dank auch an Babs, die vor/während und nach der Vermittlung immer für uns da ist. Du bist eine besondere Frau mit dem

Herzen auf dem rechten Fleck, ich möchte dich nicht mehr missen.

 

Danke an das Team in Lleida, die unseren Schatz aus seiner Hölle befreit haben und sich gut um ihn gekümmert haben.

 

Danke an Diane für die liebe Übergabe in Niederzier.

 

Mein Mann, der alles sehr skeptisch gesehen hat und nun seinen „Flohteppich“ genau so liebt wie wir alle. Danke, dass du immer

meine „Flausen im Kopf“ unterstützt und immer an meiner Seite bist.

 

Danke an meine Kinder, die ganz toll dazu beigetragen haben, dass Amado sich so schnell einleben konnte und auch viel Geduld mit ihm hatten.

 

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