Baby - von Schockstarre zur Schmusebacke!

Nun sind annähernd sechs Monate vergangen, sechs Monate voller schöner aber auch sehr emotionaler Momente. Wenn wir unsere Baby heute anschauen und erleben, erinnert nichts mehr an den Hund, den wir am 18. Dezember 2016 adoptiert haben. Wir möchten heute unsere Geschichte mit ihr erzählen, um anderen Mut zu machen, um sich zu trauen und um die nötige Geduld zu werben.

 

Als sie ankam, war sie natürlich noch sehr schüchtern, fast schon wie unter Schock, sie war verständlicherweise sehr misstrauisch und wollte auch nicht gerne angefasst werden. Deshalb ließen wir sie erst einmal in Ruhe, um sie nicht zu überfordern und redeten nur ruhig auf sie ein. Die Fahrt verlief unproblematisch, fast als wäre sie es gewohnt Auto zu fahren. Natürlich war sie sehr angespannt, aber trotzdem ruhig.

 

Zuhause angekommen sind wir erst einmal mit ihr und ihren neuen

Schwestern Yoko und Alice Gassi gegangen. Sie sollten sich außerhalb auf

neutralem Boden erst einmal in Ruhe beschnuppern können, um dann gemeinsam ins neue Zuhause einzuziehen. Auch hier verlief alles unkompliziert und unsere größte Sorge, Yoko und Alice würden sie nicht in ihr Rudel aufnehmen, erwies sich als unbegründet.

 

Nach einer guten halben Stunde des Kennenlernens sollte es ins neue Heim gehen. So unkompliziert sich Baby im Auto und beim Gassi gehen gegeben hat, so kompliziert wurde sie ab dem Moment, als sie mit uns ins Haus

sollte, wir mussten sie auf den Arm nehmen, weil sie trotz schmeicheln und gut zureden nicht zu bewegen war, mit reinzukommen. Noch nie haben wir einen Hund gesehen, der so voller Panik und Angst war. Sie war nicht zu beruhigen, ist wie von Sinnen rumgelaufen, um eine Fluchtmöglichkeit zu finden und sobald es ihr möglich war, hat sie sich mit aller Kraft und vollem Körpereinsatz gegen Fensterscheiben und Terrassentüren geschmissen.

 

Sie hielt nur ein, wenn sie total erschöpft war und eine Pause brauchte, um neue Kraft zu sammeln, zudem schrie und jaulte sie dabei, bis sie heiser war und im Grunde nur noch wimmern konnte. Es waren schlimme Tage für uns mit vielen Tränen und kurzen Nächten, das Mitleid für dieses arme kleine Wesen hat uns fast zerrissen.

 

Wir haben keine Ahnung, was ihr alles angetan wurde, es muss aber innerhalb eines Gebäudes passiert sein, denn außerhalb des Hauses war sie um einiges entspannter und zugänglicher. Sie zu erziehen, u.a. stubenrein zu bekommen, gestaltete sich auch etwas komplizierter als gedacht. Das übliche Belohnungssystem konnten wir hier nicht anwenden. Wir denken, dass bei allem, was ihr angetan wurde, Leckerlis als Lockmittel eingesetzt wurden.

 

Mit viel Geduld und noch mehr Liebe haben wir Wege gefunden, sie zu erreichen und heute können wir sagen, sie gibt den Menschen eine neue Chance. Sie ist zu einem unglaublich selbstbewussten und verschmusten Hund geworden, die sich, wenn es sein muss, auch gegen ihre Schwestern durchsetzt, um einen Platz in Herrchen oder Frauchens Arm sicher zu stellen.

 

Sie fordert auch ganz selbstverständlich ihr Leckerli ein, wenn sie etwas toll gemacht hat und hat keine Angst mehr, es könnte etwas Schlimmes passieren, wenn sie es nimmt. Die Situationen, in denen sie erschrickt,

werden immer seltener, und wenn sie sich doch wegen etwas fürchtet, dann sucht sie Schutz bei uns oder hinter ihrer großen Schwester Yoko. An einen „Ausbruch“ denkt sie auch nicht mehr, im Gegenteil…. bei Regen findet sie es im Haus um einiges schöner, sie muss dann sogar immer überzeugt werden, das Haus zu verlassen.

 

Trotz diesen Erfolgen arbeiten wir weiter jeden Tag daran ihr zu beweisen,

dass wir Menschen ihrer Liebe wert sind, und wir sind sehr glücklich und auch dankbar, dass sie uns diese Chance gibt.

 

Baby ist ein unglaublich zärtlicher Hund, der sehr viel Liebe zu geben hat. Die Entwicklung, die sie gemacht hat, ist einfach unbeschreiblich und dennoch hätten wir das alles nicht ohne unsere Yoko und Alice geschafft, die beiden waren sehr geduldig und Yoko ganz besonders fürsorglich. Yoko hat sie immer wieder abgeholt, z. B. wenn sie mal wieder nicht ins Haus wollte oder sie sich in ein Zimmer zurück gezogen hat. Sie hat sich neben sie gelegt, wenn sie gewimmert oder geheult hat, um ihr zu zeigen, dass sie nicht alleine ist. Die drei sind mittlerweile ein eingespieltes Team und bilden eine Einheit … Baby ist Zuhause angekommen!

 

Wir hoffen, die Fotos sprechen für sich und geben einen guten Einblick in Babys neues Leben. Die Fotos sollen zeigen, dass ein Hund mit so einer unglaublichen Vorgeschichte sich zu einem völlig normalen, sozialen und ausgeglichenen Wesen entwickeln kann. Und die Zeit und Geduld, die man investiert, es absolut wert sind.

 

Astrid Lindgren hat schon gesagt: "Man kann in ein Kind nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln.“ Dasselbe gilt für jedes Lebewesen!

 

Wir wünschen uns, dass wir mit unserer Geschichte Mut machen können und mehr Menschen einem Hund die Möglichkeit geben, wieder Vertrauen in die Menschen zu fassen. Es lohnt sich wirklich!

 

Jeden Tag schenken uns unsere Hunde aufs neue ihr Vertrauen und wir wollen ihnen zeigen, dass wir es wert sind. Die Belohnung dafür ist ihre grenzenlose, bedingungslose Liebe und ihre absolute Treue. Von wie vielen Menschen kann man sowas sagen?

 

Eure Familie Alt